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Das Equine Parvovirus- Hepatitis: Gefährliches Virus auf dem Vormarsch?

von Sylke Schulte +++ TEASER & LESEPROBE aus Feine Hilfen 46 +++

 

Derzeit spricht jeder darüber: Viren! Noch immer hat uns das Coronavirus fest im Griff, und wir alle wissen nun, wie schwierig und langwierig es selbst für Experten sein kann, Viren zu identifizieren und ihre Auswirkungen richtig einzuschätzen. Doch nicht nur für Menschen können virale Infektionen verheerende Folgen haben. Es gibt auch eine ganze Reihe equiner Viren, über die wir, trotz der Gefahr, die von ihnen ausgeht, noch zu wenig Informationen haben, auch wenn die Forschung in den letzten Jahren auf diesem Gebiet einige Fortschritte gemacht hat. Einer dieserVirenstämme ist das Parvovirus. Forscher stellten nun fest, dass das „Equine Parvovirus-Hepatitis“, auch EqPV-H, Auslöser für die gefährliche und oft tödlich verlaufende Theiler-Krankheit ist. Doch wie verbreitet ist das Virus hierzulande, und wie kann man seine Vierbeiner davor schützen?

(Foto: Shutterstock/Nastia Gomanova aus Feine Hilfen 46/Neurologie)

Im Tierreich gibt es eine Vielzahl von Viren, die sich innerhalb einer Spezies oder auch zwischen den Spezies verbreiten können. Die Krankheitsverläufe und Gefahren, die von diesen Viren ausgehen, variieren im gleichen Maße wie die Viren selbst, und so besteht auch in Hinsicht auf das Equine Parvovirus noch dringender Forschungsbedarf. Toni Luise Meister von der Abteilung Molekulare & Medizinische Virologie der Ruhr-Universität Bochum, die sich im Rahmen von Studien an der Erforschung dieses Virus und seiner Verbreitung in Europa beteiligt, erklärt: „Zu den Parvoviren gehören verschiedene Viren, die unter anderem bei Hunden und Menschen Krankheiten auslösen können. Das Equine Parvovi- rus-Hepatitis gehört zu den Viren, die Pferde infizieren können und bei einem Teil der infizierten Pferde zu schweren Lebererkrankungen führen können. Das Virus hat eine Affinität zum Lebergewebe.“

Theiler’s Disease

Die Theiler-Krankheit, benannt nach Arnold Theiler, welcher die Krankheit erstmals im Jahr 1918 beschrieb, ist eine sogenannte fulminante Hepatitis. In der Medizin wird der Begriff fulminant verwendet, wenn sich eine Erkrankung schnell, plötzlich und mit schwerem Verlauf entwickelt, und so ist auch die Serum-Hepatitis, wie die Theiler-Krankheit auch genannt wird, in etwa fünfzig Prozent der Fälle letal. Die Ursache dieser Erkrankung war lange unklar, wobei schon relativ früh Ausbrüche häufig nach der Anwen- dung von Blutprodukten, sogenannten Pferdeseren, beobachtet wurden. Pferdeseren kommen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin zum Einsatz und beinhalten beispielsweise Pferdeplasma. Doch nicht alle Pferde, die positiv auf das Virus getestet werden, zeigen tatsächlich auch klinische Anzeichen, weshalb Forscher davon ausgehen, dass auch zusätzliche Faktoren, wie eine Überempfindlichkeit oder eine Koinfektion mit anderen Erregern, eine Rolle spielen könnten. Dr. Thomas J. Divers von der Abteilung für Klinische Wissenschaften der Hochschule für Veterinärmedizin an der Cornell- Universität in den USA forscht bereits seit Jahrzehnten nach den Ursachen der Theiler-Krankheit und erklärt zum Verlauf: „Die Mehrheit der Pferde leidet etwa vier bis zehn Wochen nach der Infektion an einer subklinischen Hepatitis. Etwa ein Prozent dieser Pferde entwickelt daraufhin ein fulminantes Leberversagen mit einer Sterblichkeitsrate von fünfzig Prozent. Wir wissen nicht, warum das so ist. Es könnte beispielsweise mit der individuellen Immunreaktion zusammenhängen. Die fulminante Erkrankung tritt nur bei erwachsenen Pferden auf, was darauf hinweisen könnte, dass die Immunpathologie an der fulminanten Erkrankung beteiligt ist. Es gibt keine be- kannte Rasseprädisposition. Pferde, die sich von einer klinischen oder subklinischen Erkrankung erholen, tun dies schnell, und obwohl viele danach chronische Träger sind, gibt es keine nachgewiesene chronische Erkrankung.“ Die Wissenschaftler konnten jedoch auch Fälle beobachten, bei denen Pferde erkrankten, denen keine Serumprodukte verabreicht worden waren, weshalb schon früh ein Virus, der auch zwischen Pferden übertragen werden kann, als Ursache vermutet wurde. Diese „nichtbiologischen“ Fälle traten vor allem zwischen Juni und November in Zuchtstutenherden auf. Dieses saisonale Auftreten der nichtbiologischen Fälle deutet auf die Möglichkeit einer Übertragung des Virus durch Insekten hin. Zum Verlauf der Virusinfektion erklärt Prof. Dr. Jessika-M. Cavalleri von der Klinischen Abteilung für Interne Medizin Pferde an der Universitätsklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die sich mit der Erforschung dieses Virus in Europa beschäftigt: „Es handelt sich um ein pathogenes Virus, allerdings zeigt die Mehrzahl der infizierten Pferde in den ersten zwölf Wochen nach der Infektion eine meist nur geringgradige Hepatitis, die ohne deutliche klinische Symptomatik verläuft. Der Anteil der klinisch erkrankten Pferde wird von der Forschergruppe der Cornell University auf ein bis zwei Prozent geschätzt. Diese Pferde zeigen unspezifische Symptome wie Inappetenz und Apathie, können aber auch eine Gelbverfärbung der Schleimhäute und neurologische Ausfallserscheinungen zeigen.“ Pferde, die eine Therapie erhalten und fünf Tage nach Ausbruch der Erkrankung überleben, erholen sich im Allgemeinen jedoch ohne nachgewiesene Langzeitfolgen. Die Erkrankung kann mit einer Hepatitis-B-Infektion beim Menschen verglichen werden, wobei noch mehr Forschung auf diesem Gebiet nötig sein wird, um alle Mechanismen zu verstehen und das Virus in den Griff zu bekommen.

Täter identifiziert

Ein Durchbruch in Sachen Forschung auf diesem Gebiet ist nun dem Team um Dr. Thomas J. Divers gelungen. In einer 2018 durchgeführten Studie mit dem Titel „New Parvovirus Associated with Serum Hepatitis in Horses after Inoculation of Common Biological Pro- duct“ (Neues Parvovirus assoziiert mit Serumhepatitis bei Pferden nach Inokulation eines gängigen biologischen Produkts) gelang es den Wissenschaftlern, ein neues Virus, das Equine Parvovirus Hepatitis (EqPV-H), sowohl in der Leber eines an der Theiler-Krankheit verstorbenen Pferdes als auch im Tetanusserum, welches dem Pferd vor der Erkrankung verabreicht wurde, festzustellen. Zur Motivation erklärt Dr. Divers: „Mein Kollege Dr. Bud Tennant und ich haben mehr als drei Jahrzehnte lang über die wahrscheinliche Möglichkeit gesprochen, dass die Theiler-Krankheit durch ein Virus verursacht wird.“ Die Forscher fanden das neue Parvovirus in der kom- merziellen Tetanusimpfung, die das betroffene Pferd erhalten hatte, und seit diesem Durchbruch konnte es tatsächlich auch in weiteren Produkten nach- gewiesen werden. So ergab eine 2019 durchgeführte Studie in Zusammenar- beit von deutschen und österreichischen Forschern, dass elf von 18 kom- merziellen Serumproben EqPV-H-DNA enthielten. Im Forschungsbericht der Studie mit dem Titel „Equine Parvovirus-Hepatitis Frequently Detectable in Commercial Equine Serum Pools“ (Equine Parvovirus-Hepatitis häufig in kommerziellen Equidenserum-Pools nachweisbar), an der auch Prof. Dr. Cavalleri mitwirkte, heißt es: „Zu den Herkunftsländern mit nachweisbaren viralen Genomen gehörten die USA, Ka- nada, Neuseeland, Italien und Deutschland, was auf eine weltweite Verbreitung von EqPV-H schließen lässt.“ Auf der Grundlage des heutigen Forschungsstandes steht fest, dass das Virus nicht, wie bisher vermutet, vor al- lem in den USA und China vorkommt, sondern zu einem globalen Problem geworden ist, und so konnten 2020 auch erste Fälle in Europa – und auch bei uns in Deutschland – dokumentiert werden. Zur genaueren Abgrenzung des equinen Parvovirus erklärt Prof. Dr. Cavalleri: „Beim Pferd gibt es noch ein weiteres Virus, das mit Hepatitis in Verbindung gebracht wird. Dabei handelt es sich um das equine Hepacivirus. Dieses Virus ist phylogenetisch nahe mit dem Hepatitis-C-Virus verwandt, das beim Menschen zu schweren Lebererkrankungen führen kann. Eine Infektion mit beiden Viren kann bei den betroffenen Pferden zu einer geringgradigen Hepatitis führen, aber die infizierten Pferde können auch klinisch unauffällige Träger der Viren sein.“

Die Frage der Ansteckung

All diese neuen Erkenntnisse und Studienergebnisse werfen, wie so oft in der Wissenschaft, eine Vielzahl weiterer neuer Fragen auf. So geht es beispielsweise um Ursprung, Verbreitung und Vermeidung der Infektion (…).

Lesen Sie diesen Artikel zu Ende in Ausgabe 46 der FEINE HILFEN!

Sylke Schulte studierte Anglistik und Germanistik an der Universität Bremen und verband nach ihrem Studium ihre Leidenschaft für Tiere mit ihrem Beruf. Als freie Journalistin arbeitet sie seit 2007 für diverse Pferde- und Hundemagazine und regelmäßig für FEINE HILFEN. Sie möchte so einen Beitrag leisten, zum besseren Verständnis zwischen Tier und Mensch. Für diesen Artikel sprach sie mit M. Sc. Toni Luise Meister, Dr. Thomas J. Divers und Univ.-Prof. Dr. med. vet. Jessika-M. Cavalleri.

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Category: Aktuelle Themen, Pferdegesundheit

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