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Luís Valença: Das Geheimnis ist Leidenschaft

von Kathrin Brunner-Schwer+++ LESEPROBE aus Feine Hilfen 39 +++

Das Foto zeigt Luís Valença mit Nuno Oliveiras Enkelsohn Gonçalo Oliveira. (Foto: privat)

Luís Filipe Duarte Valença Rodrigues, kurz Luís Valença, wurde von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung 1998 offiziell zum „Reitmeister“ ernannt. Sein „Centro Equestre da Lezíria Grande“ (Baujahr 1981) im portugiesischen Vila Franca de Xira, rund 20 Auto- minuten nördlich von Lissabon, ist seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für Reiter aus der ganzen Welt. Man weiß, dass der heute 73-Jährige seinen Besuchern Einblicke in die reine portugiesische Reitkunst gewährt – vor allem in die Lehre Nuno Oliveiras, mit dem er verwandt und eng befreundet war. Als junger Mann ging Valença bei seinem Groß- onkel Nuno in die Lehre. Anschließend arbeitete er jahrelang eng mit ihm zusammen.

INTERVIEW MIT LUÍS VALENÇA (das Interview wurde geführt von Kathrin Brunner-Schwer)

Ich erreiche Luís Valença telefonisch bei der Arbeit mit einem vierjährigen Lusitano in seiner Reithalle des Centro Equestre da Leziria Grande. Ob wir später noch einmal anrufen sollen? „Nein, nein“, sagt er, „jetzt ist es perfekt, ich habe Ruhe, niemand stört uns drei.“ (Als Dritten meint er das junge Pferd an der Longe.) Unser Gespräch wird vom zufriedenen Abschnauben des Vierjährigen begleitet.

FEINE HILFEN: Gibt es überhaupt so etwas wie eine reine portugiesische Reitweise?
Luís Valença: Durchaus. Sie existiert wegen des Lusitanos. Der Lusitano mit seiner Flexibilität, seiner schnellen Auffassungsgabe, seiner immensen Feinheit und der Tatsache, dass man diese Pferde nicht zwingen kann – eben diese Charaktereigenschaften mussten zwangsläufig zu einem besonderen – nennen wir es – „Reitstil“ führen. Man nennt das bei uns auch „kurzer Reitstil“. Warum „kurz“? Weil man mit diesen Pferden nicht nur in einer großen, sondern auch in einer kleinen Reitbahn, sagen wir acht mal acht Meter, arbeiten kann. Die Gänge des Lusitanos sind kürzer als bei anderen Pferderassen – dementsprechend ausdrucksstärker sind bei ihm deshalb Lektionen wie Piaffe oder Passage. Aus diesem Umstand heraus entwickelte sich die portugiesische Reitweise. Dem muss ein Reiter allerdings Rechnung tragen können – und ich spreche hier nicht von Reitern, die ihre Pferde zwingen. Aber das ist eine andere Geschichte und hat nichts mit Reitkunst zu tun. Die portugiesische Reitweise selbst entwickelte sich auch aus dem portugiesischen Stierkampf heraus. Vor 30, 40 Jahren gab es unter den portugiesischen Stierkämpfern ein paar echte Könner mit Herz und Verstand, die erkannten, wie wichtig auch in dieser Disziplin die Harmonie mit dem Pferd war – glücklicherweise gibt es heute wieder einige, die in diesem Sinne arbeiten und den Regeln der korrekten Reiterei folgen. In jener Zeit kam Nuno Oliveira mit ins Spiel.

An dieser Stelle des Gesprächs geht Luís Valença hörbar das Herz auf – wie immer, wenn er über Nuno Oliveira spricht.

Nuno Oliveira war ein Mann, in dessen Herzen zeit seines Lebens eine bedingungslose Liebe für Pferde brannte. Er beschäftigte sich unentwegt, unermüdlich und pausenlos mit der Frage, wie welche Problematiken bei welchen Pferden gelöst werden können. Er war ein echter Pferdemensch. Seine „Me- thode“, wenn man es so bezeichnen will, hieß Liebe. Sein Credo: niemals Zwang, ein leichtes Pferd mit Schwung. Das Pferd durfte niemals seine Persönlichkeit verlieren. Im Gegenteil: Nuno Oliveiras Ziel war, die Ausstrahlung des Pferdes noch zu fördern, es ihm zu erlauben und es dazu aufzufordern, sich zu entwickeln, zu strahlen. Er war wie ein großer Musiker: Er schuf aus Tonleitern Symphonien. Er tat dies mit seinen Händen, seinem Sitz, seinen Beinen. Es war nicht immer einfach, ihn zu verstehen, einige haben ihn nicht verstanden, glücklicherweise habe ich ihn verstanden. Seine Reiterei war speziell.

Nuno Oliveira verstarb vor 30 Jahren. Was kann ein Reiter oder eine Reiterin heute tun, um Nuno Oliveira wirklich zu verstehen?

Valença: Das Geheimnis heißt Leidenschaft. Man muss große Leidenschaft besitzen. Wenn man die Philosophie Nuno Oliveiras verstehen möchte, muss man fühlen, beobachten und sich in das Pferd hineinversetzen können und neben der Leidenschaft auch Präzision besitzen. Und man muss denken, unentwegt. Sehr viel denken!

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Category: Dressur

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